Von Stolpersteinen, Eis und Schlussmännern

Gruppe C: Frankreich – Australien 2:1

Schwimmen im Leimtopf

Es ist keine originelle Erkenntnis, dass man die besten Mannschaften schlagen muss, um Weltmeister zu werden. Was dabei leicht vergessen wird ist die Tatsache, dass man vorher auch die schwächeren besiegen muss. Irgendwie scheint man abwinkenderweise davon auszugehen, dass das eh alles kein Thema ist. So können dann Begegnungen mit vermeintlichen Underdogs zum Stolperstein werden. Hinzu kommt im Falle Frankreichs eine recht bekannte Schwäche, was ebensolche Underdogs angeht. Da tun sich „Les bleus“ gerne einmal schwer. Australien auf der anderen Seite ist dafür bekannt, wenig zuzulassen und wenn sie schon verlieren, dann nie hoch.
Diese Rahmenbedingungen schienen drehbuchmäßig eingehalten und Frankreich tat sich schwer, gewann aber letztlich so glücklich wie nicht völlig unverdient. Jedenfalls ist der erste Schritt zum zweiten Titel erfolgreich gemacht, aber es warten noch ein paar Stolpersteine auf dem Weg zum Gipfel.


Gruppe D: Argentinien – Island 1:1

Hartes Eis

Die Zeiten, dass Island als Aufbaugegner belächelt wurde sind spätestens seit der EM 2016 vorbei, als Island die titelambitionierten Engländer aus dem Bewerb beförderte. Dies durfte Argentinien am eigenen Leib erfahren und tat sich gehörig schwer gegen eine gewohnt kompakt auftretende isländische Mannschaft.
Auch wenn sich die Isländer vor allem in der zweiten Halbzeit kaum mehr in Richtung argentinisches Tor bewegten, hat es zu einem Unentschieden gereicht. Und wenn der zumeist geschickt ausgeschaltete Superstar Lionel Messi doch einmal zum Schuss kam, scheiterte er entweder am überragenden Torwart oder – noch öfter – an sich selbst. Mit diesem Problem war er wahrlich nicht alleine, konnten seine Mitstreiter doch auch nicht viel mehr ausrichten.
Das weniger als 350.000 Einwohner kleine Island hat einmal mehr bestätigt, dass es zwar mehr aktive Vulkane als Fußballprofis hat, aber diese hart wie Eis sind und man sich schnell die Zähne ausbeißt, wenn man nicht aufpasst.


Gruppe C: Peru – Dänemark 0:1

Geschmeicheltes Andenpech

Was bedeutet Körperlichkeit im Fußball? Schnelligkeit, Kraft, Beweglichkeit, Größe? Zumindest Letzteres ist nur ein theoretischer Vorteil. Wenn eine Mannschaft zwar gehörig größer ist, aber dennoch deutlich weniger Kopfballduelle gewinnt, ist mit dieser Binsenweisheit etwas nicht ganz in Ordnung.
So war Peru agiler und körperlich präsenter als Dänemark, hatte mehr Spielanteile und war subjektiv wie statistisch die etwas bessere Mannschaft. Zu einem Sieg hat es dennoch nicht gereicht. Noch nicht einmal zu einem Unentschieden. Ein perfekt vorgetragener Konter der Dänen und der Sieg ging an die Skandinavier.
Naturgemäß werden Stimmen im Andenstaat laut, dass es personelle Fehlentscheidungen gab – vor allem, dass der peruanische Superstar Paolo Guerrero, um den im Vorfeld viel Tamtam gemacht wurde, erst sehr spät mitspielen durfte. Aber ist das Kind einmal im Brunnen, wissen plötzlich alle, was nicht alles besser gewesen wäre. Dabei wird dann gerne übersehen, dass die Dänen es unter anderem einem überragenden Torwart verdanken, dass kein Gegentor fiel. Kasper Schmeichel hat es einmal mehr geschafft, dass der Name Schmeichel im dänischen Tor Gewicht hat.

In Gruppe C dreht sich nominell alles um den Kampf um Platz 2, wird doch Frankreich quasi eine Art Freifahrtschein attestiert. So gesehen ist Dänemark in einer guten Ausgangsposition, hat allerdings mit Frankreich noch den größten Brocken vor sich. Auch das Match gegen Australien wird kein leichtes sein, rechnen sich die „Socceroos“ ebenfalls noch Chancen auf den begehrten Einzug ins Achtelfinale aus. Auch Peru darf nicht unterschätzt werden – vor allem nicht von den Franzosen.


Gruppe D: Kroatien – Nigeria 2:0

Geheimfavorit?

Die Teilnehmer einer WM werden erfahrungsgemäß in verschiedene Kategorien eingeteilt. Da gibt es zum einen die Favoriten. Ja, und das war‘s im Grunde auch schon. Alle weiteren Einteilungen sind dann nur noch „Favoritenstufen“. So gibt es dann beispielsweise noch den erweiterten Favoritenkreis und vor allem die Geheimfavoriten. Dabei ist zu erwähnen, dass Letztere so geheim sind, dass sie oft selbst nichts davon wissen.
Inwieweit sich die kroatische Elf selbst zum Favoritenkreis zählt, muss an anderer Stelle geklärt werden; die Medien, Buchmacher und die kroatische Bevölkerung sind jedenfalls der Meinung, dass das so zu sein hat. Dafür spricht allerdings auch einiges. Großartige Spieler in entscheidenden Positionen sind nur eines der Gewichte auf der Waagschale. Ein anderes ist der Mannschaftsgeist, der sich auch diesmal wieder zeigen konnte.
Nach einem eher wackeligen Beginn kamen die Kroaten immer besser ins Spiel und konnten mehr und mehr zeigen, aus welchem Holz sie geschnitzt und wozu sie wirklich fähig sind. Zwar steht mit Argentinien noch eine echte Herausforderung bevor und auch Island wird kein Spaziergang, aber zuzutrauen ist es den Kroaten dennoch, sogar als Gruppensieger ins Achtelfinale einzuziehen und dann auch das „Geheim“ abzulegen.

Für Nigeria scheinen die Hürden unüberwindlich, auch wenn sie sich weit mehr erhoffen und auch erwarten. Argentinien als Favorit der Gruppe D muss nach dem Auftaktstolperer aufpassen, dass nicht am Schluss Platz 3 übrigbleibt und somit der Traum vom Titel erneut platzt – diesmal dann so früh wie nie, denn Island wäre nicht Island, wenn es sich mit einem Nichtweiterkommen zufrieden geben würde.

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