Große und kleine Überraschungen

Gruppe E: Costa Rica – Serbien 0:1

Verblasster Glanz

Ein großartiger, nachhaltiger Auftritt bei der WM von Costa Rica. Ja, das war schon großartig 2014 in Brasilien. Davon ist so gut wie nichts geblieben, außer den Spielern, die zum Großteil dieselben waren wie vor 4 Jahren. Nur eben 4 Jahre älter. Und sie waren in Brasilien schon nicht die Jüngsten. Entsprechend enttäuschend war die Vorstellung Costa Ricas.
Des einen Leid, des anderen Freud. Ein immer stärker und besser spielendes Serbien freute sich über einen gelungenen Start, wobei gerade in diesem Spiel ein Sieg so wichtig war, warten doch mit Brasilien und der Schweiz beachtliche Gegner, die aller Voraussicht nach nicht leicht zu überwinden sind.


Gruppe F: Deutschland – Mexiko 0:1

Nahtloser Übergang

Als amtierender Weltmeister mit dem standesgemäßen Anspruch den Titel zu verteidigen, findet man in so gut wie allen Vorbesprechungen ziemlich viele Superlative und kaum welche davon sind negativ behaftet. Entsprechend hochgeschraubt sind die Erwartungen und die Zuversicht. So wurde ein großartiges Spiel gegen Mexiko erwartet, in der man an die WM-Leistung anknüpft.
Das Anknüpfen hat wunderbar funktioniert. Nur leider an die Leistung der letzten Testspiele und Deutschland schaffte es, die erste Halbzeit gnadenlos in den Sand zu setzen. Mit einem Mittelfeld, das sich in vergangenem Ruhm zu sonnen schien, auf Zeiten der Genialität in die Offensive wartete und darüber vergaß, dass man auch für die Defensive Arbeit zu verrichten hat; gepaart mit einer allgemeinen Behäbigkeit und Nachlässigkeit. Das war die Einladung für den Gegner, zu schaun, ob Manuel Neuer im Tor schon fit ist. Mexiko hat nachgeschaut. Positiv aus Sicht Deutschlands ist festzuhalten: Ja, er ist fit. Für ein Tor hat‘s blöderweise doch gereicht.
Gerechterweise muss aber auch die Leistung Mexikos in den Vordergrund gestellt werden, die ihre Möglichkeiten nutzten und ein ums andere Mal vor das deutsche Tor gelangten, wo ihnen die meist jedoch das letzte Quäntchen Glück verwehrt blieb. In der zweiten Halbzeit war Defensivarbeit angesagt und sie schafften es, die anrennenden Deutschen nicht zum Treffer kommen zu lassen. So muss sich der Weltmeister trotz weit besserer zweiter Hälfte gehörig steigern, damit sie nicht der Fluch des Weltmeisters ereilt: Aus in der Vorrunde! Spanien und Italien können ein Lied davon singen – und es ist kein sonderlich schönes.


Gruppe E: Brasilien – Schweiz 1:1

Ohne Drehbuch

Macht man Fehler und bleibt hinter sämtlichen Erwartungen weit zurück, muss man Konsequenzen ziehen und etwas tun. Nach einer eher vergessenswürdigen Heim-WM und einem desaströsen Qualifikationsauftakt kam für Brasilien die dringend benötigte Wende mit dem neuen Trainer Tite und alles wurde erfolgreich restauriert, saniert und verbessert.
So gestärkt ging’s ins Match gegen die Schweiz und ein glanzvolles Auftreten mit einem recht frühen Traumtor unterstrich die Ansprüche auf den heiß ersehnten 6. Titel. Man konnte sich dem Gefühl, dass Brasilien jederzeit noch ein Schippchen drauflegen könnte nicht erwehren.
Fußball folgt aber nun einmal keinem Drehbuch und es spielt oft mehr als nur eine Mannschaft. In diesem Falle auch. In der zweiten Halbzeit gab die Schweiz ihre Statistenrolle der ersten Halbzeit auf und gelangte immer wieder vor das brasilianische Tor. Mühe wird manchmal tatsächlich belohnt und so erzielten die Eidgenossen den Ausgleich. Brasilien konnte wie schon vermutet tatsächlich noch ein Schippchen drauflegen. Ein Tor jedoch sollte nicht mehr herausspringen und damit war die nächste – wenn auch nicht ganz so große – Überraschung perfekt.
Die Schweiz freut‘s, Brasilien nicht so sehr.

Durch dieses Unentschieden findet sich Serbien auf Platz 1 der Gruppe E wieder, was eine äußerst aussichtsreiche Position für das Weiterkommen darstellt. Zwar sind sowohl Brasilien als auch die Schweiz nach wie vor die Favoriten für die begehrten ersten beiden Plätze, aber wie einige der Eröffnungsspiele zeigten, ist alles möglich.
Für Costa Rica, den Überraschungs-Viertelfinalteilnehmer von 2014 sieht es allerdings recht finster aus, sollten sie keine gewaltige Steigerung erfahren.

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